Kritik und Beleidigungen

Ein Blick in aktuelle Zeitschriftenformate macht es deutlich – der Ärger um Abi-Zeitungen scheint zu einem immer größeren Thema zu werden. Die Presse berichtet mehrfach über ernste Konflikte aufgrund von Abi-Zeitungen und Abi-Büchern. Die häufigsten Fragen sind: Was dürfen Schüler schreiben? Und wie sollten die Lehrer reagieren?

Die Problematik rund um das Thema Abi-Zeitung hat sich zudem in eine weitere Richtung entwickelt. Es ist durchaus bekannt, dass Schüler innerhalb ihrer Personenbeschreibungen untereinander unschöne Worte und zum Teil verletzende Betitelungen verwenden. So wird der wissbegierige, zielstrebige Abiturient schnell zum „Super-Streber“ oder die ruhige, introvertierte Abiturientin zur „Außenseiterin“. Fakt ist, dass Mobbing an Schulen leider zur Normalität geworden ist, es gehört zum schulischen Alltag dazu. Daher ist es nur natürlich, dass sich dies auch in den Abi-Zeitungen sowie in den Abi-Büchern der Jahrgangsstufen wiederspiegelt. Beim Durchblättern der Abschlusszeitungen merkt man schnell, wer Stufenliebling war und wer es bevorzugte, sich zurückzuziehen. Hier kann kaum verhindert werden, dass es zu Auseinandersetzungen kommt.

 

Und wann ist eine Kritik überhaupt eine Beleidigung?

Doch was passiert, wenn sich die Beschimpfungen gegen Lehrer oder den Schuldirektor richten? Es ist ein schmaler Grat zwischen Kritik und Beleidigung, genau das sollten auch beide Parteien bedenken – Schüler und Lehrer. In der letzten Zeit ist es zunehmend zu Konflikten gekommen. Einige Lehrkörper fühlten sich durch den Inhalt der Abi-Zeitung in hohem Maße persönlich beleidigt und bloßgestellt. Aus diesem Grund handelten sie oft extrem, sodass nicht zuletzt rechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen eingeleitet wurden. Das Erstatten von Strafanzeigen ist kein Einzelfall.

Doch auch die Position der Schüler darf nicht vergessen werden, schließlich gehören Lehrerbeschreibungen zu jeder guten Abi-Zeitung dazu. Wer liest nicht gerne den neuesten Tratsch über seinen Mathe-Lehrer? Einige Stufen erstellen spezielle Lehrer-Rankings, während andere hingegen klar aussprechen, was sie von ihren Lehrkörpern halten. Problematisch wird das Ganze, wenn solche Kommentare anonym abgedruckt werden. In diesem Fall kann nicht nachgeprüft werden, wer für das Gesagte verantwortlich ist. Ob das eine bessere Vorgehensweise ist, bleibt allerdings fragwürdig. Schließlich sollte man als junger heranwachsender Mensch seine Meinung frei äußern und auch dazu stehen können.

Eine weitere Konsequenz seitens des Schuldirektors kann ein Hausverbot sein. Demnach dürfen die Schüler ihre Abi-Zeitungen nicht mehr auf dem Schulgelände verkaufen. Auch das ist mehrmals vorgekommen. Es ist jedoch nicht verwunderlich, dass sie sich davon nicht sonderlich beeindrucken lassen und lediglich einen neuen Verkaufsort aufsuchen. Der Ärger über den Inhalt der Abi-Zeitungen kann in manchen Fällen sogar zur Absage des Abiballs führen. Eine weitere Möglichkeit ist das Fernbleiben wütender Lehrer von jeglichen Abitur-Feierlichkeiten. Hier wird in besonderem Maße deutlich, dass der Konflikt zwischen Lehrern und Schülern, trotz  teilweise öffentlicher Entschuldigungen, häufig bestehen bleibt.

 

Die rechtliche Seite

Rechtlich gesehen ist es so, dass Schülerzeitungen Pressefreiheit genießen und somit keiner Zensur unterliegen. Ein Recht, das mit der Pressefreiheit kollidiert, ist jedoch das Persönlichkeitsrecht. Falls ein Lehrkörper sich in seinem Persönlichkeitsrecht angegriffen fühlt, muss entschieden werden, ob die Aussagen Kritik oder tatsächlich Beschimpfungen sind. Es kann also durchaus zu einem langwierigen Rechtsstreit zwischen Lehrer und Schülern kommen.

Um dem ganzen Ärger zu entgehen, arbeiten manche Jahrgänge sogar mit ihren Lehrern zusammen oder lassen die Abi-Zeitung vor dem Verkauf von einem Lehrer Probelesen. Dieser überprüft dann, ob das Geschriebene veröffentlich werden kann, sodass sich niemand auf den Fuß getreten fühlt. Das muss nicht so gemacht werden und ist sicherlich auch nicht Sinn und Zweck einer Abi-Zeitung, es verhindert jedoch Konflikte.

 

Fazit

Ein gemeinsames Ziel ist das erfolgreiche Abitur mit gebührender Feier. Aus diesem Grund sollten Schüler und Lehrer Rücksicht aufeinander nehmen. Es ist völlig in Ordnung, seine eigene Meinung zu äußern, man kann dies jedoch auf verschiedene Arten tun. Intelligent durchdachte und witzig formulierte Bemerkungen sind in jedem Fall besser als freche Beleidigungen. Aber auch Lehrer sollten nicht vergessen, dass nicht alles ernst gemeint ist und viele Aussagen als Spaß und mit einem Augenzwinkern verstanden werden dürfen.